Camping: Große Freiheit - mit richtigen Regeln
Campen klingt nach Abenteuer. Abenteuerlich kann es auch wirklich für jene werden, die sich auf ihren ersten Trip nicht richtig vorbereiten, sei es hinsichtlich Fahrzeugwahl, Routenplanung oder bei den Platzregeln. Für Einsteiger hat der Österreichische Camping Club (ÖCC) dazu einige wichtige Tipps parat (siehe Kasten). reisetipps hat zwei Vielreisende und Expert:innen befragt, wie sich ihre Leidenschaft für das Reisen mit Wohnmobil entwickelt hat. Und was sie insbesondere Neulingen, die sich dieser Urlaubsform widmen wollen, empfehlen.
LEIDENSCHAFTLICH IMMER WIEDER UNTERWEGS
Bei Reisebloggerin und Buchautorin Angelika Mandler-Saul hat die Leidenschaft fürs Campen schon früh begonnen. „Schon als Dreijährige war ich mit meinen Eltern wildzelteln, danach gab‘s einen Familienwohnwagen. Später war ich dann selbst oft alleine mit Auto, Rad und Zelt on tour, mit einem Freund mit ausgebautem VW-Bus. Camping war mir irgendwie immer schon wichtig.” Feuer gefangen hat mittlerweile auch ihr Mann: „Er wird seine erste Nacht in einem Campingbus im australischen Busch mit Känguru-Begegnung sicher nie vergessen!“
Für sie beide bedeutet es: losstarten, morgens in der Natur oder sogar am Wasser stehend aufwachen zu können, auch mit dem Hund unkompliziert neue Regionen entdecken. Nach vielen Jahren des Mietens verschiedener Camping-Gefährte und -unterkünfte – je nach Destination gibt es unterschiedliche Anforderungen - leisteten sie sich einen eigenen Kastenwagen mit Standard-Ausbau.
WAS NEULINGE WISSEN SOLLTEN
Oft werde aber ein falsches Bild vermittelt, meint Angelika. „Die große Freiheit spielt es nicht, dazu gibt es zu viele Regulierungen und Vorschriften.“ Besonders wichtig zu wissen sei auch, dass nicht jede oder jeder fürs ständige Unterwegssein und Wohnen/Arbeiten auf kleinstem Raum „geboren“ sei. „Neulinge sollten zuerst einmal über ein verlängertes Wochenende testen, ob ihnen das Campingleben mit Stellplatzsuche, Sanitäranlagen-Nutzung und so manchen ungewohnten Tätigkeiten unterwegs zusagt.“ Besonders in der Hochsaison tue gute Planung Not, Reservierungen, ob am Campingplatz am See oder bei Bauernhöfen oder Winzern, seien dringend notwendig.
DIE WAHL DES FAHRZEUGS
Genug Stauraum und eine gute Organisation beim Packen, Einkaufen und Verstauen sollten vorhanden sein. Vermieter von Wohnmobilen beraten hier zielgruppengerecht. Regenwetter beanspruche oft mehr Platz, wer Radtouren einplant oder öfter den Stellplatz wechseln will, für den tut es vielleicht auch weniger Raum. Wer viel Zeit und Möglichkeiten hat und gerne – mehr als fünf Wochen im Jahr - unterwegs ist, der könnte auch bald mit dem eigenen Campingbus glücklich werden.
ES IST FAST ÜBERALL SCHÖN
Als Österreich-Fan und selbstständige Autorin ist Angelika ganzjährig unterwegs und vermeidet - bis auf wenige Ausfahrten zu Sommertheater-Events - die Hauptsaison. Und gerade Frühling bzw. Herbst bieten besonders schöne Naturerlebnisse hierzulande. Aber sie schätzt auch Skandinavien, Kroatien und Italien als Campingland. „Auch Frankreich kann ich empfehlen, da dort fast jede Gemeinde unkompliziert Stellplätze anbietet.“ Gute Erfahrungen hat sie auch in den Masuren in Polen, in der Schweiz, in Norwegen - trotz Wetterkapriolen - oder in Australien gemacht.

MIT DEM HUND UNTERWEGS
Mit Hunden sei es nicht anders als mit – menschlichen - Mitreisenden: „Nicht jeder hat Freude am Camping. Viele Vierbeiner müssen sich erst daran gewöhnen, den eigenen Stellplatz am Campingplatz nicht permanent zu ‚verteidigen‘ und jeden Tag in einer anderen Umgebung zu sein.“ Ein eigener Rückzugsort im Campervan und Routinen unterwegs machen es für Hunde um vieles leichter.“
WO ES GEFÄLLT
Franz Roitner, Unternehmer, Podcaster und Safari-Guide, sowie seine Partnerin, Reisebloggerin Gudrun Krinzinger, sind ebenfalls begeisterte und reiseerfahrene Camper. Mit dem Wohnmobil waren sie an vielen außergewöhnlichen Zielen, etwa Albanien, Rumänien, Republik Moldau, Polen, Estland, Lettland, Litauen, Sizilien, Schottland, Japan und vor allem in Afrika unterwegs. „Ich habe mittlerweile fast 100 Länder bereist und war in den vergangenen Jahren oft fünf bis sechs Monate pro Jahr im Ausland unterwegs“, erzählt Franz.
Vom ständigen Check-in und -out wie auch Buffets mit fixen Frühstückszeiten hatten sie irgendwann genug. „Heute reisen wir gemeinsam in unserem Wohnmobil und haben ‚unsere eigenen vier Wände‘ mit - nur auf vier Rädern. Das gibt uns auf unseren Reisen viel Freiheit und Unabhängigkeit.“ Entscheidend für sie sei auch, mit dem Wohnmobil oder Campingfahrzeug, sofern erlaubt, an wunderschönen Plätzen übernachten zu können. „Oftmals standen wir schon ganz alleine, machten ein Lagerfeuer, hörten nichts als die Natur und schauten in den Sternenhimmel. Genau das ist für uns der Zauber am Campen.“

AFRIKA IN VOLLEN ZÜGEN
Ein Lieblingsziel ist Südafrika. Vor sieben Jahren hat sich das Paar ein eigenes Campingauto mit Dachzelt gekauft. „Davor hatten wir mehrmals Fahrzeuge gemietet und dabei gemerkt: Diese Art des Reisens passt sehr gut zu uns. Seitdem sind wir jedes Jahr etwa zwei Monate im südlichen Afrika, d. h. auch in den Nachbarländern Namibia, Botswana, Sambia und Simbabwe, unterwegs.“ Ein klassisches Wohnmobil sei für das südliche Afrika erfahrungsgemäß keine gute Wahl, so Franz. „Man sieht zwar solche Fahrzeuge mehr und mehr in den Nationalparks, aber für ein echtes Abenteuer abseits asphaltierter Straßen sind sie nicht geeignet.“ In Afrika rät er zu einem geländegängigen Fahrzeug mit großer Bodenfreiheit samt Dachzelt. „Es gibt einige verlässliche Vermieter, die solche Fahrzeuge anbieten.
Und wenn man zwischendurch mehr Komfort möchte, kann man jederzeit eine Nacht in einem Hotel oder in einer Lodge einplanen. Genau diese Mischung aus Abenteuer und gelegentlichem Komfort macht das Reisen im südlichen Afrika für uns so besonders.“
Unsere expert:innen

Angelika Mandler-Saul schreibt und berichtet als Reisebloggerin auf dem Camping- und Reiseblog www.wiederunterwegs.com für Naturliebhaber:innen, Camper:innen und Kulturinteressierte, die gerne reisen. Auch mehrere Reiseführer sind erschienen. Derzeit arbeitet sie an einem Genuss-Campingführer für Österreich und einem Reiseführer über die Niederlande.
Fotocredit: Angelika Mandler-Saul

Franz Roitner, Unternehmer und seit Kurzem Safariguide, inspirierten die langen und häufigen Aufenthalte in den NationaIparks Afrikas und all die Tierbeobachtungen zum Start des Podcasts "Der Safari Guide – Franz Roitner“. Dabei nimmt er Hörer:innen mit auf den Kontinent. Im Mittelpunkt jeder Episode steht eine Tierart oder eine Pflanze – mit ihrem Verhalten, ihren Anpassungen, ihrer Kommunikation und ihrer Bedeutung für das Ökosystem. Dabei verbindet er Naturwissen mit eigenen Beobachtungen und Begegnungen aus dem Busch. www.safariguide.at; Gudrun Krinzinger schreibt seit 2011 auf ihrem erfolgreichen Blog www.reisebloggerin.at über Reisen.
Foto: Gudrun Krinzinger & Franz Roitner, Credit: Franz Roitner
TIPPS VOn ÖAMTC & ÖCC
- Das richtige Fahrzeug wählen
Die Entscheidung ist davon abhängig, ob man sich großteils auf einem Campingplatz einmieten oder auf Roadtrip gehen will. Mit dem Wohnmobil ist man flexibel unterwegs und kann auf vielen Stellplätzen bleiben. Mit dem Wohnwagen, der ein Zugfahrzeug benötigt, ist das oft nicht erlaubt. Für Anfänger ist ein kürzeres Fahrzeug, etwa ein Van, empfehlenswert. - Die Reiseroute checken
Nicht blind drauflosfahren, sondern Kilometeranzahl und Etappen sowie ausreichende Pausen planen. Hier hilft der Routenplaner des ÖAMTC, der entsprechende Straßen für das jeweilige Fahrzeug anzeigt, wie auch die Campingplätze am Weg, die Verkehrssituation in Echtzeit, Sperren, Kosten für Maut & Vignette, Infos zu Mitführpflichten, Tempolimits etc. Wichtig ist auch, vorab genau zu überlegen, wohin man möchte, und – speziell in der Hauptsaison – unbedingt reservieren. www.oeamtc.at/routenplaner - Regeln am Campingplatz beachten
Öffnungszeiten sowie Einfahrts- und Ausfahrtszeiten, etwa, wie man die Stromkabel legen und sanitäre Anlagen so benützen soll, dass auch nachfolgende Gäste glücklich sind.
WEITERE TIPPS
• Vor dem ersten Antritt können Neo-Camper auch einen „Personal Coach“ vom Campingclub mit ÖAMTC-Fahrtechnik beanspruchen.
• Mieten eines Camping-Fahrzeugs: Vorteil mieten: keine Fixkosten, immer das neueste Modell, Flexibilität
Wichtig: Preise und Anbieter vergleichen, früh buchen bringt mehr Auswahl und günstigere Tarife, Geschäftsbedingungen lesen und Leistungen checken; Kaution, Stornogebühren beachten
• Freies Stehen – oder auch Wildcampen – ist in Österreich und Europa unterschiedlich geregelt oder mancherorts sogar verboten.
Offizielle Stellplätze werden empfohlen. Das Campen in Nationalparks und Naturschutzgebieten sowie auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ist verboten. Auf privaten Grundstücken darf nur mit Erlaubnis des Eigentümers übernachtet werden. Offenes Feuer ist besonders in Wald- und Buschgebieten zu vermeiden. Eine Alternative zum Wildcampen bieten verschiedene Konzepte „ländlicher Gastgeber:innen".
Alle Infos zum Campen hier: www.campingclub.at/
Der Artikel ist im Print in "reisetipps" Nr. 36 erschienen.


