Geist & Geld – in Paris vereint
Drei extrem wohlhabende und kunstaffine Persönlich keiten haben Paris zu einem globalen Zentrum zeitgenössischer Kunst gemacht. Sie verdanken ihren Wohlstand erfolgreichen Unternehmen in der Luxusindustrie. Jetzt wetteifern sie mit Sammlungen zeitgenössischer Kunst, für die sie spektakuläre Bauten errichten oder umgestalten lassen. Dabei geht es nicht um Kleingeld: Für Bernard Arnault und die Fondation Louis Vuitton hat der amerikanische Architekt Frank Gehry am Rande des Bois de Boulogne einen Bau entworfen, dessen reine Bau kosten sich auf etwa 150 Millionen Euro belaufen.
François Pinault (Gruppe Kering) beauftragte für seine Collection den japanischen Architekten Tadao Ando mit einem sensiblen Umbau der Bourse de Commerce im Stadtzentrum: Kosten schätzungsweise 110 Millionen Euro. Für die Fondation Cartier hat der Stiftungspräsident Alain-Dominique Perrin ein ehemaliges Kaufhaus gegenüber dem Louvre durch den französischen Architekten Jean Nouvel umbauen lassen, wobei die Kosten auf über 100 Millionen Euro geschätzt werden. Die Ankaufssummen der Sammlungen sind darin nicht inkludiert – und alles ist privat finanziert.
FONDATION LOUIS VUITTON
Unter den Superreichen war Bernard Arnault der erste, der für die Fondation Louis Vuitton ein Museum errichten ließ. Zu seinen Unternehmen gehören Louis Vuitton, Hennessy, Dior, Moêt & Chandon. Sein Vermögen wird auf 150 Milliarden Euro geschätzt. Das Gebäude, das die Sammlung beherbergt, steht in einem Park in Neuilly, etwa 30-Metro Minuten von der Pariser Innenstadt entfernt. Die Sammlung widmet jeweils einem bekannten Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts großen Raum. Von Oktober 2025 bis Anfang März 2026 werden 270 Werke des deutschen Künstlers Gerhard Richter gezeigt.
PINAULT COLLECTION
Die Pinault Collection verfolgt ein anderes Konzept. Sie hat ihren Standort im historischen Paris und nutzt die ehemalige Warenbörse, Bourse de Commerce, die mit einem überzeugenden Raumkonzept umgebaut wurde. Die Sammlung: ein buntes, abwechslungsreiches „Best of“ der zeitgenössischen Kunst – rund um ein zentrales Motiv angeordnet. Im Sommer 2025 war es „Körper & Seele“, seit Oktober 2025 steht die „Minimal Art“ im Mittelpunkt – eine Kunstrichtung, die mit stark reduzierten Formen arbeitet und als Reaktion auf den expressionistischen und subjektiven Stil entstand.
Auch Pinault konzentriert sich auf arrivierte Künstler und präsentiert Georg Baselitz, Duane Hanson, Artur Jafa, Dan Flavin. Für Francois Pinault ist die Bourse de Commerce das Herzstück seiner Sammlung, aber er bespielt auch in Venedig zwei historische Stätten: den Palazzo Grassi und die Punta della Dogana. Zu den bedeutendsten Unter nehmen der Pinault-Gruppe gehören Gucci, Yves St. Laurent, Bottega Veneta und Puma. Das Vermögen von Francois Pinault beträgt schätzungsweise 15 bis 20 Milliarden Euro.
FONDATION CARTIER
Der Dritte im Bunde ist Alain-Dominique Perrin. Der Stiftungspräsident der Fondation Cartier hat als neuen Standort ein historisches Gebäude, das Kaufhaus „Grands Magazins du Louvre“ im Herzen der Stadt, vom Stararchitekten Jean Nouvel sehr aufwändig umbauen lassen. Jean Nouvel kennt man in Wien als Architekten des S/O Towers (Hotel) an der Praterstraße. Cartier ist Teil der Gruppe Richemont, zu der auch Montblanc, Jaeger Le Coultre, IWC und andere Luxusmarken gehören. Mehrheitsgesellschafter ist die Familie Rupert, deren Vermögen auf 13 Milliarden Euro geschätzt wird.
Mit dem Titel der Eröffnungsausstellung „Exposition Générale“ knüpft das neue Museum an die Geschichte des riesigen Hauses an. Denn mit diesem Titel warb im 19. Jahrhundert das Kaufhaus „Grands Magazins du Louvre“ um Besucher. Seit der Eröffnung Ende Oktober stellen dort 100 Künstler fast 600 Werke aus. Die Transformation vom Warenhaus zum Kunsttempel symbolisiert auch den Wandel des Pariser Stadtzentrums vom Kommerz zur Kultur. Direktor Chris Dercon hat in einem Interview prognostiziert, dass seine Sammlung auch dem Louvre mehrere hunderttausend Besucher zusätzlich zuführen werde. Paris strahlt jetzt als Zentrum klassischer wie auch zeitgenössischer Kunst – welt weit eine einmalige Konstellation.
KOMPAKT
ANREISE ab Wien:
Täglich 5 Flüge mit AUA, täglich 4 Flüge von Air France und Transavia sowie mit Ryanair.
ab München: Täglich 5 Flüge mit Lufthansa, 5 Flüge mit Air France
Mit der Bahn: täglich mehrfach von Wien nach Paris Est, um die 10 ½ Stunden
Von München: Mit TGV oder ICE 5 ½ Stunden in das Zen trumvon Paris
EINTRITT
Fondation Louis Vuitton: 16 EUR, dienstags geschlossen
Pinault Collection: 15 EUR, dienstags geschlossen
Fondation Cartier: 15 EUR, montags geschlossen
ESSEN & TRINKEN
Fondation Louis Vuitton: Le Frank, niedrigschwellige Bistro Küche
Collection Pinault: La Halle aux Grains, Konzept der Drei Sterne-Köche Michel und Sébastien Bras, interessantes Angebot am Nachmittag
Fondation Cartier: Ein Restaurant mit innovativem Konzept wird im Frühling 2026 eröffnet. Bis dahin steht den Besuchern das „Petit Café“ zur Verfügung.
ÜBERNACHTEN
In Paris sind Hotels generell sehr teuer. Unter www.prettyhotels.com sind aber fünf hübsche Hotels zu einigermaßen erträglichen Preisen gelistet. Der Autor hat sehr zufrieden im Hotel Henriette*** gewohnt. Metro-Station um die Ecke, mehrere gute Restaurants in der Nähe.
DER AUTOR

Wilfried Kropp kombiniert gerne Kunst & Kulinarik. Paris ist dafür ein ideales Pflaster. Überrascht war er von der Fülle hochkarätiger zeitge nössischer Kunst, die jetzt in Paris ausgestellt wird.






