Vielleicht liegt es ja an Phillips Wurzeln, dass er nicht ganz so viel mit Kulinarik und Önologie anfangen kann. Aufgewachsen ist er als jüngstes Mitglied in einem Drei-Generationen-Haushalt im niederösterreichischen Mostviertel, in dem das Essen bodenständig und Beilagendominiert war. Der überwiegende Anteil davon kam aus dem eigenen Garten. Nicht, dass Phillip kulinarisch etwas abgegangen wäre, dafür, dass er sich zu einem „Foodie“, wie es auf Neudeutsch heißt, entwickeln hätte können, war die Verpflegung in seiner Kindheit doch zu wenig ausgefallen. Ähnlich verhält es sich mit dem Wein: Als Phillip in seiner Jugend Mitte der 1980er Jahre seine ersten Erfahrungen mit Alkohol machte, war es gesünder, Bier zu trinken. Der heimische Rebensaft stand zu sehr in Verdacht, dass er mit einem Frostschutzmittel „versüßt“ war. Auch am Fußballplatz, wo Phillip zuerst aktiv aktiv und später dann passiv aktiv war, eignete sich ein Krügerl Bier besser als Durstlöscher als ein gepflegtes Achterl Wein. So hält sich bis heute die Tradition, dass Phillip bei seinen seltenen Fahrten ins Erlauftal am Holzinger Berg seinen Blick Richtung Wieselburg schweifen lässt, um sich zu überzeugen, dass die Brauerei dort noch immer steht und die Versorgung gesichert ist.

Kalbsbraten und Knödel zur Beruhigung

Nun ist es an der Zeit, die Erinnerung an die Jugend hinter sich zu lassen. Die Reisegruppe macht sich mit dem Bus über Graz auf den Weg. Jan Ciglnecki, (damals, Anm.) Direktor des Slowenischen Tourismusbüros in Wien und der beste Reiseleiter für die Tour, überprüft während der Fahrt Phillips Kenntnisse und Erfahrungen in und über Slowenien. „Triglav, Kranjska Gora, Marburg, Ljubljana, Bled, Piran und Portoroz“, zählt Phillip stolz auf.

„Ich verspreche dir, du wirst überrascht sein, und es wird dir gefallen“, lehnt sich Jan bei der vagen Beschreibung der Reiseziele Vipava Tal und der Region Goriska Brda weit aus dem Fenster. Kurz nach der Grenze, etwas östlich von Maribor, liegt der Ort Pernica. Und dort wiederum findet sich der Gasthof Siker - schon 150 Jahre in Familienbesitz. Das Lokal, das sich auf die traditionelle Küche spezialisiert hat, ist gemütlich, zwei Generationen Wirtsleute kümmern sich um die gut aufgelegte Reisegruppe. Als das Mittagsmenü – eine klare Suppe mit gefüllten Teigtaschen und zarter Kalbsbraten mit Knödeln und Salat – auf den Tisch kommt, ist Phillip beruhigt: Er kann auch Gourmetreise!

Keine Liebe auf den ersten Schluck

Als der Bus rund zwei Stunden später die Autobahn verlässt und in das Vipava Tal einbiegt, fallen Phillip die „Ich verspreche dir, es wird dir gefallen“-Worte von Jan wieder ein, und er gibt ihm in Gedanken Recht. Die beinahe schnurgerade Straße durch das Tal eröffnet links wie rechts herrliche Blicke auf die herbstliche Landschaft. An den Hängen der hohen Karstplateaus leuchten bunt gefärbte Blätter der zahllosen Weinreben. „Ob der Wandel von dem Wein Banause zum –Liebhaber auch so einfach sein wird, wie der – Kalbsbratl mit Knödel sei Dank - von Gourmand zum Gourmet?“, fragt sich Phillip, als ihm nach einem kurzen Spaziergang durch das schmucke Städtchen Vipava, über dem die Tabor Festung thront und das Barock-Schloss der Lanthieri, die Sankt Stephanuskirche sowie die Tabor-Brücke wichtige Sehenswürdigkeiten sind, das erste Glas in die Hand gedrückt wird.

Phillip lernt, dass der Weißwein darin von der autochthonen Sorte Pinela ist. Der erste Schluck lehrt ihn: Weinkenner zu werden, ist schwieriger als guter Esser zu sein. Unterstrichen wird die Erkenntnis seiner Unkenntnis, dass der Wein-erprobte Rest der Gruppe doch Gefallen an der seltenen Rebe findet.

Das Tagesziel – Nova Gorica – hat eine kurze, aber interessante Geschichte. Die Stadt wurde erst 1948 erbaut. Grund dafür: Die Wirren des Zweiten Weltkrieges ließen neue Grenzen zwischen Italien und Jugoslawien entstehen. So wurde ein Großteil der Stadt Görz Italien zugesprochen. Auf der jugoslawischen Seite wurde Nova Gorica am Reißbrett entworfen, dem der Charme einer historisch gewachsenen Kommune fehlt. Durch den Beitritt Sloweniens zum Schengen-Abkommen ist die Grenze seit Ende 2007 Geschichte. „Es wächst wieder zusammen, was zusammengehört“, denkt Phillip. Nova Gorica beherbergt eine Universität und ist beliebter Ausgangspunkt für Touren in das schöne Vipava Tal. Darüber hinaus hat sich eine Casino-Landschaft etabliert. Das Hotel Perla, in dem Phillip und seine Begleiter ihre Zimmer beziehen, ist – nach eigenen Angaben – das größte Casino Mitteleuropas.

Abenteuer am Isonzo

Der strahlend schöne Morgen verspricht perfekte Bedingungen für den Ausflug in den Soca Fun Park. Mittels Schlauchboot wird Phillip über die Soca – im Italienischen heißt der Fluss Isonzo – gebracht. Der Fluss hat im Ersten Weltkrieg zahlreichen blutigen Schlachten zwischen Österreich-Ungarn und Italien ihren Namen gegeben und bis heute traurige Berühmtheit.

Phillips Performance an den zahlreichen Stationen in dem spektakulären Klettergarten ist auch eher traurig. Koordination, Geschicklichkeit in Kombination mit Kraft sind nicht seine größten Stärken. Er nimmt die Herausforderungen jedoch an, da als Abschluss eine 400m lange Zipline-Fahrt über den Fluss wartet. Das Gute an so einer Zipline ist, dass man Passagier ist und der Schließmuskel der einzige ist, den man einsetzen muss. Die rasante Fahrt, hoch über dem Fluss, ist wahrlich ein krönender Abschluss eines schweißtreibenden Vormittags.

Im Sternenhimmel

So viel Wagemut muss belohnt werden: Das Hotel Perla, zusammen mit dem Casino, wirklich ein ziemlich großer Komplex, beherbergt auch ein ungeahntes Juwel: das Restaurant Calypso, von Gault Millau mit 16,5 Punkten geadelt. Den hemdsärmeligen Fun Park-Helden wird dort in einem exklusiven Ambiente ein Menü serviert, das Phillip – neuerdings Gourmet – das eine oder andere „wow“ entlockt. Auch der Service ist bemerkenswert, so kann er sich ganz unauffällig ein Bier bestellen – um dem Wein ein Schnippchen zu schlagen.

Diesem entkommt er am Abend jedoch nicht - ein weiteres Glanzlicht der slowenischen Gastronomie steht am Programm. Das Restaurant Pikol der Familie Gasparin ist eine wunderschön ausgebaute Fischerhütte, direkt an einem Teich. Das Menü toppt das Calypso-Essen noch einmal. Phillip erlebt, dass zum Beispiel richtig zubereiteter Fenchel eine Offenbarung sein kann und nicht nur lästige Dekoration. Auch die mit jedem Gericht korrespondierende Weinbegleitung aus Reben vom hauseigenen Weingut lässt ihn nicht ein Mal an alternative Getränke denken. Der slowenische Wein hat Phillip erwischt – dank 15,5 Gault Millau-Punkten.

Karsterscheinungen Teran und Prsut

Nach einem Tag mit mehr Sternen als Phillip seinem Magen im Schnitt in einem Jahr maximal gönnt, ist ein Ausflug genau das Richtige. Die Fahrt in den Karst birgt mehrere Überraschungen – genau wie Jan sie versprochen hatte. In Stanjel, einem malerischen Bergdorf, wird die Gruppe vom Bürgermeister im ansehnlichen Schlosshof begrüßt – und mit einem Glas Rotwein. Der Wein ist von der Sorte Teran, autochthon und mit das Beste das Phillip je verkosten durfte.

Beim Besuch der Prsutarna Kobjeglava lernt er auch den slowenischen Rohschinken lieben: eine Gaumenfreude der besonderen Art. Warum im Sachunterricht in der Volksschule bei Karsterscheinungen immer nur von Kargheit und Dolinen die Rede war, versteht Phillip nach der Verkostung von Teran und Prsut nicht.

Im Paradies

Neben den Casinos hält Nova Gorica aber auch eine ganz besondere Attraktion bereit: die Brauerei Reservoir Dogs. Das Start-up einer Handvoll enthusiastischer „Burschen“ ist eine Erfolgsgeschichte. Im Industrieviertel der Stadt wird Bier von höchster Qualität und großer Vielfalt gebraut. Ein netter Schanigarten mit Pop-up-Küche und eine Bar, die von Studenten geführt wird, runden das Erlebnis ab. Phillip kostet sich durch IPAs, Stouts, Pale Ales und Lager. Er wähnt sich ein bisschen wie im Paradies.

Paradiesisch ist auch die Natur der Goriska Brda. Die Hügellandschaft braucht keinen Vergleich mit der Südsteiermark oder der Toskana zu scheuen. Auf den Gipfeln liegen wunderschöne Dörfer. Auf einer kurzen Wanderung am Alpe Adria Trail durch die Weingärten, die im Herbst am schönsten sind, beschließt Phillip, ganz sicher wieder hierher zu kommen. Im Hotel-Restaurant Marica in Smartno wird seine Entscheidung bekräftigt: Es gibt Rohschinken, Käse zur Stärkung. Und Wein. Und er schmeckt – fast schon keine Überraschung mehr!

KOMPAKT

Das Hügelland Goriska Brda liegt zwischen den Alpen und dem Mittelmeer und grenzt an das italienische Friaul-Julisch Venetien. Etwas weiter im Landesinneren Sloweniens liegt das Vipava Tal, das ebenfalls bekannt ist für den Weinanbau. Oben auf den Hängen des Tals liegt die Karstregion mit den berühmten Erscheinungen Teran und Prsut. Dieser – von Wien in fünf Stunden erreichbare - Teil von Slowenien eignet sich optimal für Familien- und Aktivreisen, für individuelle Touren wie auch für Freundesgruppen und Firmenausflüge.

Adressen

Gasthof Siker Močna 7, 2231 Pernica, www.siker.si
Restaurant Pikol Vipavska cesta 94, 5000 Nova Gorica, www.pikol.si
Gostilna Kobjeglava Kobjeglava 63, 6222 Štanjel, www.q-komel.com
Hotel Restaurant Marica Smartno 33, 5211 Smartno, www.marica.si
Reservoir Dogs Craft Brewery Industrijska cesta 1H, 5000 Nova Gorica, www.reservoir-dogs.beer
Vila Vipolze Vipolze 29, 5212 Dobrovo, www.vilavipolze.eu
Hotel Perla – Restaurant Calypso Kidriceva ulica 7, 5000 Nova Gorica, www.thecasinoperla.com
Soca Fun Park Pot na Breg 11, 5250 Solkan, www.Socafunpark.si

Slowenisches Tourismusbüro: Slowenien.at@slowenien.info, www.slowenien.info

Die Reise erfolgte auf Einladung des Slowenischen Tourismusbüros und Hirner Touristik (sportandlanguage.com)

Der Text ist in reisetipps Nr. 23 erschienen.