Eine starke Neigung, die auch heute viele Menschen verspüren. Nicht umsonst zählte Kreta, die größte Insel Griechenlands, 2016 mehr als 4 Millionen Besucher, viele davon als Stammgäste. Aber auch dem Erstbesucher fällt es nicht schwer, sich in diese Insel spontan zu verlieben: Kreta punktet mit einer Vielfalt an reizvollen Landschaftsformen, einem Reichtum an Kulturschätzen, hervorragender mediterraner Küche und der sprichwörtlichen griechischen Gastfreundschaft. Dazu kilometerlange Strände und zauberhafte Buchten mit glasklarem Meer und vielfach ausgezeichnete Hotellerie.

Minoische Supermacht

Geschichte und Mythologie sind auf Kreta dicht verwoben, antike Stätten und Heiligtümer finden sich auf der ganzen Insel. Knossos, die wohl beeindruckendste Ausgrabung, ist Pflichtprogramm. Katerina, unsere kundige Reiseführerin, erklärt mit sichtlichem Stolz: „Kreta ist der Geburtsort der ersten europäischen Hochkultur, der Minoer, deren Blütezeit zwischen 3000 und 1200 v.Chr. lag. Der sagenhafte König Minos gilt als Sohn von Gottvater Zeus.“

Katerina weiß Geschichte und Mythologie packend zu interpretieren: „Auf bis zu 1.500 Räume in mehreren Etagen erstreckt sich das sagenhafte Labyrinth, wo der menschenfressende Minotaurus hauste, bis Theseus mit Hilfe von Ariadne's Faden die Stadt von diesem Ungeheuer befreien konnte.“

Schmelztiegel der Kulturen

Wie hoch entwickelt die Kultur der Minoer war, zeigen die zahlreichen Funde, die im archäologischen Museum der Stadt Heraklion exponiert sind. Neben kunstvoll geformten und bemalten Tongefäßen und Figuren sind auch feinste Goldschmuck-Arbeiten aus minoischer Zeit zu bewundern. In Heraklion sind auch deutliche Spuren aus anderen Epochen sichtbar. Die venezianische Festung, Palazzi und der venezianische Brunnen im Zentrum, oder auch vereinzelte Moscheen, sind Zeugnis der bewegten Vergangenheit.

Aufgrund der guten strategischen Lage im Mittelmeerraum war die Insel im Laufe ihrer langen Geschichte immer wieder begehrtes Ziel zahlreicher Eroberer. Oftmals und lange Jahre mussten die Kreter unter Fremdherrschaft leiden, unbändig blieb aber immer ihr starker Freiheitsdrang.

Urige Typen

„Freiheit oder Tod“ - so der Titel eines der bekanntesten Werke von Nikos Kazantzakis, das den Kampf gegen die osmanische Herrschaft und die kretische Revolution von 1889 schildert. Urigen Typen ähnlich der heldenhaften Titelfigur, dem „wilden Kapitän Michalis“, in traditioneller Kleidung, mit Pluderhosen in derben Stiefeln und ein schwarzes „Mandili“ Kopftuch über die Stirn gebunden, begegnen wir in den Bergdörfern bei unserer weiteren Fahrt ins Landesinnere.

Myrtia heißt das idyllische Dorf, das als Geburtsort von Nikos Kazantzakis gilt und zu dessen Ehren hier ein Museum errichtet wurde. Es zeigt die unglaubliche Vielfalt seiner Schaffenskraft, seine interessante Vita und viele zeitgenössische Dokumente. Mit „Alexis Zorbas“ dem wohl populärsten Roman, der auf Kreta spielt, hat Kazantzakis sowohl der Insel als auch der ureigenen Mentalität der Kreter ein Denkmal gesetzt.

Tsikoudia bei Vassilis

Im Dorf Stironas konnten wir diese dann live erleben: Vassilis, seines Zeichens Bio-Weinbauer und Landwirt, erweist sich als echtes Unikat. Er begrüßt uns wie langjährige Freunde, mit Umarmung und Schulterklopfen, dann zeigt er uns seine Schätze: Plastikfässer voll mit halbvergorenen Weintrauben, die er mit seinen bloßen Händen bearbeitet und dazu wortreich erklärt – alles in griechisch – so klingt es noch interessanter.

Katerina versucht zu übersetzen: Vasilis beschäftigt sich schon lange mit Weinbau, wie auch sein Vater, aber erst vor kurzem sei es ihm gelungen, biologische Spitzenweine zu produzieren, wie mehrere Auszeichnungen belegen.

Auch hervorragender Tresterschnaps „Tsikoudia“ wird hergestellt und wir bekommen sogleich eine Kostprobe. Vor dem Genuss heißt es aber andächtig innehalten, Vassilis wirft sich in theatralische Pose und hält Zwiesprache mit den Göttern, bevor wir dann alle mit einem herzlichen „Yammas“ anstoßen. Mit dem folgenden opulenten Mahl stellen Vassilis und seine beiden Brüder die sprichwörtliche kretische Gastfreundschaft unter Beweis.

Hier wohnt(e) Zeus

Wir bewegen uns noch weiter ins Landesinnere, abseits der Hauptverkehrsrouten geht es über gewundene Bergstraßen, durch fruchtbares Hügelland, bewaldet von kleinwüchsigen Olivenbäumen. „Das ist eine spezielle Sorte, die stammt aus minoischer Zeit“, erklärt Katerina. Über die genaue Menge gibt es unterschiedliche Angaben: „Etwa 30 Millionen Olivenbäume zählt man auf Kreta, bei Förderungen sind es meist mehr, bei Steuern weit weniger“, schmunzelt unsere Reiseleiterin.

Unser heutiges Ziel ist die Lassithi Hochebene im Zentrum der Insel. Mehr als 800m über Meeresspiegel liegt dieses fruchtbare Plateau, bekränzt von hohen Berggipfeln. Empfindlich kühl ist es auf der 980m hoch gelegenen Passhöhe, wo noch die Windmühlen aus venezianischer Zeit stehen. Ganz in der Nähe befindet sich eine der meist besuchten Attraktionen, die sogenannte diktäische Höhle, eine Stalaktiten-behangene Grotte, die gemäß der griechischen Mythologie als Geburtsort von Gottvater Zeus verehrt wird.

Raki bei Pater Arsenios

Auf einer nahegelegenen Anhöhe, gleich einer Festung, befindet sich das Kloster der „Jungfrau Maria Crustallenia“. Vorstand Pater Arsenios ist sichtlich erfreut über unseren Besuch und führt uns durch die liebevoll gepflegte Anlage. In Zeiten der Widerstandskämpfe diente das Kloster auch als Treffpunkt der Rebellen und erlangte so besondere Bedeutung. „Aber heute geht es hier ganz friedlich zu, eigentlich zu ruhig, wir sind nur mehr drei Mönche hier“, sagt Pater Arsenios.

Nur manchmal kommen Pilger, um die verehrte Muttergottes und den wundersamen „Agiocharako“, den in einer uralten Eiche eingewachsenen heiligen Felsen zu besuchen. Stolz zeigt er auch das kleine neu errichtete Museum mit alten, wertvollen Schriften. Zum Schluss bittet er uns in sein gemütliches Wohnzimmer und schenkt Raki in hübschen Gläsern aus: „Danke für euren Besuch, seid gesegnet!“

Kloster mit Palmenstrand

Am nächsten Tag führt uns Katerina in den äußersten Osten der Insel. Eine gut ausgebaute Schnellstraße führt bis Aghios Nikolaos, eines der touristischen Zentren, danach windet sich die Straße über zahlreiche Kurven entlang der Küste und stellt immer wieder großartige Panoramablicke zur Schau. Sitia ist dann die nächst größere Stadt, ein beliebter Ferienort mit hübschem Hafen und sogar eigenem Flughafen.

Noch ein paar Kilometer weiter über holprige Straßen meint man am Ende der Insel angelangt zu sein, dann zeigt sich ein Palmenhain mit Kirchturm: das Kloster Toplou. Ein gepflegter Weg führt ins Innere, wir besichtigen die Klosterkirche mit der wundertätigen Ikone der Madonna und das kleine Museum mit einer wertvollen Ikonensammlung.

Auch in Toplou gibt es nur mehr eine Handvoll Mönche, aber zum Besitz des Klosters zählen noch weite Ländereien, die sehr erfolgreich bewirtschaftet werden. Eine moderne Weinkellerei bringt preisgekrönte Kredenzen hervor, auch hochwertiges Olivenöl wird erzeugt, das am europäischen Markt hohen Stellenwert genießt. Nach der Weinverkostung locken Badefreuden am berühmten Palmenstrand von Vai – ebenso im Besitz des Klosters. Die malerisch gelegene Badebucht am östlichsten Zipfel der Insel ist von einem dichten Palmenhain bekränzt, der zu Zeiten der türkischen Herrschaft hier gepflanzt worden ist. Allein der Blick auf den weißen Sandstrand und das tiefblaue Meer lässt buchstäblich „die Seele größer werden.“

INFORMATIONEN

Anreise

Aegean Airlines fliegt ganzjährig täglich von Wien nach Athen; direkte Anschlussflüge nach Heraklion und Chania 4x wöchentlich, ab Sommer 2018 werden auch Verbindungen via Athen nach Sitia angeboten. www.aegeanair.com

Griechenland Informationen

Griechische Zentrale für Fremdenverkehr: info@visitgreece.at, www.visitgreece.gr

Redakteurin Martha Steszl war im Oktober 2017 auf Einladung von Aegean Airlines und der Griechischen Zentrale auf Entdeckungsreise im Osten Kretas unterwegs