Irlands größtes Musikfestival in Belfast

Am 21. Juni ist World Music Day – doch richtig rund geht es in Belfast schon Anfang August beim Fleadh Cheoil, dem Festival für traditionelle irische Musik, Gesang und Tanz.

Auf der grünen Insel gehört Musik zum Alltag. Besonders spürbar wird diese allgegenwärtige und tief in der Seele des Landes und seiner Geschichte verwurzelte Liebe zur Musik jedes Jahr am 21. Juni, wenn rund um den Globus der World Music Day gefeiert wird. Die Grundidee, dass sich an diesem Tag öffentliche Plätze, Straßen, Parks und Kneipen in Bühnen verwandeln, auf denen sowohl Amateur- als auch Profimusiker:innen bei freiem Eintritt auftreten, passt dabei perfekt zum irischen Verständnis: Statt eines zentralen Mega-Events gibt es zwischen Sligo und Wexford und zwischen Ballycastle und Blarney Castle allerorts kostenlose Open-Air-Konzerte, spontane Sessions in Pubs, Straßenmusik und Community-Events. Ein genaueres Programm wird da – wenn überhaupt – meist erst kurzfristig veröffentlicht.

Acht Tage voller musikalischer Power

Anders beim Fleadh Cheoil na hÉireann, dem weltgrößten jährlichen Festival für irische Musik. Das Großereignis findet in wechselnden irischen Städten statt. Nach Drogheda, Mullingar und Wexford, den Gastgeber:innen der vergangenen Jahre, ist dieses Jahr Belfast dran. Zwischen 2. und 9. August werden in der 350.000-Einwohner-Stadt mehr als 800.000 Besucher:innen erwartet, darunter über 130.000 internationale Gäste. Damit ist das Fleadh Cheoil – gälisch für „Fest der Musik“ – nicht nur das größte jemals ausgetragene Festival für traditionelle irische Musik, sondern auch eines der größten Kulturereignisse Europas überhaupt.

Gut zu wissen: Gegründet wurde das Festival 1951 von Comhaltas Ceoltóirí Éireann mit dem Ziel, die traditionelle irische Musik zu bewahren und zu fördern. Heute vereint es Wettbewerbe auf höchstem Niveau mit ausgelassener Festivalatmosphäre. Mehr als 180 Kategorien stehen auf dem Programm, von Solowettbewerben über Tanz bis hin zu Céilí- und Marching Bands. Austragungsorte wie die Waterfront Hall oder die traditionsreiche Ulster Hall werden dabei zu Bühnen für einige der besten Musiker:innen, Sänger:innen und Tänzer:innen der Insel.

Irland-Gefühl für alle Sinne

Wichtig ist auch das, was zwischen den offiziellen Programmpunkten passiert. In Belfast wird sich die Musik während dieser Augustwoche durch die gesamte Stadt ziehen. Besonders das Cathedral Quarter dürfte zum Herzstück spontaner Sessions werden. Man öffnet die Tür eines Pubs und womöglich sitzt da schon wieder eine Gruppe Musiker:innen in der Ecke, spielt Reels und Jigs, während das Publikum mitsingt oder mit dem Fuß den Takt klopft.  

Zu den Höhepunkten 2026 zählt das große kostenlose Fringe Festival, das die ganze Stadt einbezieht. Musiker:innen, Tänzer:innen und Geschichtenerzähler:innen sorgen auf zahlreichen Bühnen für Festivalstimmung. Herzstück ist die große Open-Air-Bühne „Gig Rig“ vor der Belfast City Hall, dem Rathaus. Dort finden jeden Abend Gratis-Konzerte statt, von klassischen Trad-Klängen bis hin zu modernen Interpretationen irischer Musik. Die Eröffnungsnacht wird von der Akkordeonistin Sharon Shannon und ihrer Big Band angeführt. Beim Abschlussevent am 9. August treten in der Waterfront Halll die Gewinner:innen des renommierten Senior Céilí Band Competition auf.

Kultureller Meilenstein für Belfast

Seit Jahrhunderten kanalisiert die nordirische Hafen- und Hauptstadt ihre Leidenschaft in Musik und Gesang. Van Morrison, Gary Moore, Snow Patrol, Stiff Little Fingers – alles Ikonen ihres Genres, alle aus Belfast stammend. 2021 wurde Belfast der Titel Unesco City of Music verliehen.  Live-Musik in den Pubs und Clubs der Stadt rund ums Jahr gehören zum Alltag wie auch Angebote wie der Trad Music Trail, das Oh Yeah Music Centre oder musikalische Stadtführungen. Beim Fleadh Cheoil sind Gäste nicht nur als passive Zuschauer:innen willkommen, sondern eingeladen, auch aktiv mitzuwirken. Eine ganze Reihe von Workshops steht zur Wahl.

Das Titanic Belfast

In Belfast gibt es auch sonst noch viel zu sehen und erleben, etwa Belfast City Hall, Peaceline, St. George’s Market und das Ulster Museum. Top-Sehenswürdigkeit ist das Titanic Belfast. Schließlich wurde das berühmteste Schiff der Welt in den Docks der zur Jahrhundertwende enorm prosperierenden Großstadt gebaut und 1911 vom Stapel gelassen. Hundert Jahre nach dessen Untergang eröffnete 2012 das Titanic Belfast, Leuchtturmprojekt des gleichnamigen Viertels, das mit Wohnungen, Restaurants, Jachthafen und Geschäften eines der weltgrößten Stadtsanierungsprojekte darstellt. Beeindruckend, besonders eben das Museum, das von außen an drei silbern glänzende Schiffsbuge (oder Eisberge) erinnert. Im Inneren erzählt es die Geschichte des Schiffs, vom Bau bis zum Untergang.   

Mehr zu Nordirland: www.ireland.com/ und zu Belfast: visitbelfast.com