Europäische Namen in Texas

Eulen nach Athens tragen – oder eher Erbsen …

Eine gute Autostunde südöstlich von Dallas liegt die Kleinstadt Athens, die bereits seit mehr als 100 Jahren über die regionalen Grenzen hinaus für ihren Erbsenanbau bekannt ist. Zunächst nur als Viehfutter verwendet, wurden in der „Black-Eyed Peas Capital of the World“ mehrere Konservenfabriken in den 1930er- und 1940er-Jahren eröffnet.

Der „texanische Kaviar“ fand nicht nur Verwendung in herkömmlichen Mahlzeiten, sondern auch in weitaus ungewöhnlicheren Speisen wie Wackelpudding oder Kuchen und wurde sogar als Ersatz-Olive in Martinis gehandelt. Auch wenn die Produktion in den letzten Jahren zurückgegangen ist, würdigt die Stadt noch immer jeden Herbst die Erbsenernte mit einem dreitägigen Erntefest.

Cowboyhut statt Baskenmütze – das Paris der Kuhhirten

Etwa zwei Stunden nördlich von Athens begrüßt einen schon von Weitem eine ganz besondere Sehenswürdigkeit: Der Eiffelturm – mit rotem Cowboyhut auf der Spitze. Zwar ist diese Nachbildung mit ihren knapp 20 Metern um einiges kleiner als das berühmte Original, lässt jedoch keinen Zweifel daran, in welcher texanischen 25.000-Seelen-Stadt sich die Besucher hier befinden: Paris.

Die Stadt an der Verkehrsachse zu San Antonio erlangte im 20. Jahrhundert vor allem durch ihren Baumwollanbau und -handel Bekanntheit. Heute ist die Stadt dem ein oder anderen durch Wim Wenders Kultfilm „Paris, Texas“ aus dem Jahre 1984 geläufig.

Baumwollanbau in London

Im Hill Country, dem Herzen des Bundesstaates, stoßen die Besucher auf einen weiteren Doppelgänger: London. Auch wenn der Name Großes vermuten lässt, ist die Ortschaft mit ihren rund 180 Einwohnern deutlich kleiner als die große europäische Schwester.

In den späten 1870er-Jahren von einem Pferdehändler und ehemaligen Offizier der Union Army gegründet, sollte die Stadt zunächst als Handelszentrum und Regierungssitz für die Region ausgebaut werden, erlangte jedoch aufgrund der eintretenden Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er-Jahre und dem Zweiten Weltkrieg nicht den gewünschten Erfolg. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten schätzungsweise 100 Einwohner in dem Städtchen mit einer Schmiede, einer Mühle, einer Baumwollfabrik, zwei Hotels, einem Einkaufsladen, einem Pub und einer Kirche.

Dr Pepper statt Guinness – das texanische Dublin

Im nördlichen Teil des Bundesstaates suchen Gäste vergeblich, was sie bei einem Aufenthalt in Dublin erwarten würden: Pubs, irische Livemusik und Guinness. Die texanische Stadt ist vielmehr für ein anderes Getränk bekannt: Das koffeinhaltige Kult-Getränk „Dr Pepper“, das hier in der ältesten Soda-Abfüllanlage des Bundesstaats und der ältesten Dr-Pepper-Abfüllanlage der Welt produziert wird.

So kommt nicht nur Forrest Gump als bekennender Dr-Pepper-Liebhaber aus dem gleichnamigen Film auf seine Kosten, sondern auch alle Fans weltweit. Das Besondere am „Dublin Dr Pepper“: Diese Version verwendet nur reinen Rohrzucker und keine künstlichen Süßstoffe.

Wo die schwedischen Geister ruhen – Stockholm

Nur wenige Kilometer von der mexikanischen Staatsgrenze und der Insel Padre Island entfernt liegt Stockholm – beziehungsweise das, was davon übrig geblieben ist, denn heutzutage erinnert lediglich ein Friedhof an die ehemalige Stadt mit rund 50 Einwohnern.

Zwischen 1912 und 1914 siedelten sich einst schwedische Einwanderer aus benachbarten Staaten sowie Kanada an und bestellten den preiswerten, fruchtbaren Ackergrund: Baumwolle, Getreide und Mais sowie die Viehwirtschaft brachten Wohlstand in die Stadt und damit auch räuberische Banden, wie die des legendären mexikanischen Banditen Pancho Villa. Mehrfach wurde die Stadt überfallen und die Ernte gestohlen, während die Siedler nachts in Getreidesilos Zuflucht suchten. Heutzutage gehört Stockholm zum Einzugsgebiet der Großstadt McAllen und zählt Siedlungsgebiete wie Edinburg oder Heidelberg zu ihren Nachbarn.

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