Während der Zeit auf dem Eiland rettet Crusoe einem Eingeborenen das Leben, erzählt Daniel Defoe in seinem Roman. Zur Erinnerung an den Tag, von dem ab sie nun gemeinsam auf der Insel leben, nennt Crusoe seinen Gefährten Freitag. Freitag wird sein Freund.

Es ist Freitag, ich sitze mit einigen Kollegen in der gemütlichen AUA-Business-Lounge und warte auf meinen Flug auf die einsame Insel. Das erste Ziel: der Robinson Club Maldives. Freitag ist auch mein Freund.

Einsamer als man denkt

Von den knapp 1.200 Inseln des muslimischen Staates sind nur 220 von Einheimischen bewohnt. Die Hauptinsel Male mit ihrer Nachbarin, auf der der Flughafen liegt, ist als Ankunftsort nicht repräsentativ: es ist hektisch. Das türkisblaue Wasser ist von unzähligen Shuttlebooten, die Urlauber in ihre nahen Domizile oder Geschäftsleute nach Male bringen, übersät. Lässt man jedoch diese Betriebsamkeit hinter sich – in meinem Fall mit einem Inlandflug in das Gaaf-Alif-Atoll, genauer gesagt nach Kadhedhoo Island - erkennt man, dass das Land weit weg ist von Massentourismus. Der Air-Shuttle erlaubt spektakuläre Ausblicke auf unzählige, unbewohnte, unberührte Inseln. Insgesamt gibt es nur etwas mehr als 120 Ferien-Resorts in dem rund 90.000 km² umfassenden Gebiet.

Empfang vom „Inselkaiser“

Auf der Flughafeninsel erwartet uns schon einer der zuvorkommenden Mitarbeiter von Robinson, dem Premium-Club-Anbieter aus dem Hause der TUI. Er erledigt Formalitäten und führt uns zum Schnellboot, mit dem wir die letzte Etappe unserer Reise auf unsere Trauminsel – Funamadua – überwinden. Wir lernen auch, dass auf den Malediven, oder besser gesagt im Robinson Club Maldives, die Uhren anders ticken. Durch die Nähe zum Äquator gilt im Club eine andere Zeit als im Rest des Landes: Die Sonne soll ja nicht zu früh untergehen. Die Anlandung gestaltet sich weit angenehmer als dies dem Helden von Defoe gestattet war: An der prachtvoll gelegenen Jetty erwarten uns auch keine Kannibalen, sondern Clubdirektor Heinz Trautmann mit seiner Crew. Barfuss, denn Schuhe sind auf dieser Insel nur unnütze Accessoires auf dem weißen Sand in Staubzucker-Konsistenz. Heinz, braungebrannt, auf der letzten Station seines Arbeitslebens, führt uns persönlich über „seine“ Insel.

Noble Hütten

Nach der langen Anreise kommt mir entgegen, dass ich meine Hütte – anders als Robinson Crusoe – nicht selbst zimmern muss. Mein neues Zuhause ist ein Overwater-Bungalow: wenn schon einsame Insel, dann wenigstens mit Stil. Auf der Terrasse mit dem unvergleichlichen Ausblick auf türkises Wasser, in dem sich das Hausriff abzeichnet, findet sich ein Pool, eine Außendusche, eine gemütliche Sitzgruppe; unerwartet rasch gewöhne ich mich an den Luxus und ebenso schnell verspüre ich Entschleunigung. Einzig der mehrseitige Ausdruck des bevorstehenden Programms macht mir Kopfzerbrechen. Die eine Frage taucht in mir auf: Wer braucht hier schon Programm?

Oberwasser unter Wasser

Im Laufe meines Insellebens stellt sich jedoch heraus, dass ich ohnehin relativ wenig aktiv zu meinem Wohlbefinden einbringen muss. Das Abendessen wird im Spezialitätenrestaurant „Das Edel“ (nomen est omen) serviert - gerade rechtzeitig - nach dem spektakulären Sonnenuntergang und Sundowner an der gleichnamigen Bar. An einem anderen Tag, ich vergesse die Zeit - und auch darauf, Striche in ein Holzkreuz zu ritzen so wie es Robinson gemacht hat, um eben nicht die Orientierung zu verlieren -, begebe ich mich zu einer (leicht schmerzhaften) Massage, die meine geschundenen Muskeln wieder fit macht für weitere Ausflüge mit Schnorchel, Taucherbrille und Flossen: Heinz zeigt uns höchstpersönlich „sein“ Hausriff. Wir sehen bunte Fische, Schildkröten, nähern uns (respektvoll gänzlich ungefährlichen) Riffhaien, bestaunen Korallen und machen eine kulinarische Schnorchel- Pause in einer der Overwater-Suiten. Großartig!

Spaß für Erwachsene

Das Inselparadies, schon knapp zehn Jahre alt, und daher auch reich an Atmosphäre, ist Erwachsenen vorbehalten. Beim ausgelassenen Holi-Fest ist davon wenig zu merken, kindliches Treiben beherrscht die Szenerie. White Party, Stand up Paddlling, Barstunden, Schnorcheln, Schlemmen bestimmen den Alltag, den es drei Nächte zu bewältigen gilt. Dann heißt es Abschied nehmen von Heinz und seiner Insel, die auch ein bisschen meine wurde. Mit Boot und Flugzeug geht es zurück nach Male - aber noch nicht nach Hause. Auch der zweite Robinson Club auf den Malediven – der Robinson Club Noonu - steht in meinem Programm (das ich in diesem Moment gar nicht mehr störend empfinde).

Standesgemäß – warum auch nicht?

Nachdem unsere Reise – abgesehen von fußfreier Strandlage – wenig mit der Original-Vorlage von Robinson Crusoe zu tun hat, stört es mich nicht im Geringsten, dass der Transfer auf die Robinson Club Noonu-Insel Orivaru im Noonu Atoll mit dem Wasserflugzeug erfolgt. Dieser bietet noch spektakulärere Aussichten und die Ankunft direkt per Flug an der Jetty, wo uns der polnische Clubdirektor Adam Szkoop erwartet. Er ist weniger Inselkaiser, mehr Inselhüter. Auch auf dieser Insel ist meine Hütte schon fertig: in Forme eines Overwater-Bungalows. Aussicht und Akklimatisierung: siehe oben.

Der Natur verpflichtet

Adam führt uns durch das Herz der neuen Anlage, die ruhiger und auch auf Familien ausgerichtet ist. Im Inselinneren passiert all das, was hinter dem Traumurlaub steht. Hier befinden sich die Unterkünfte der Mitarbeiter samt Pool und Sportplatz, die Wäscherei, die zentral gesteuerte Klimaanlage, eine Wasseraufbereitungsanlage, die Dieselaggregate, über die mittels Wärmerückgewinnung das Warmwasser für die Duschen umweltschonend hergestellt wird. Adam erklärt, dass er sich für die Insel verantwortlich fühlt: „Sie gehört uns nicht.“ Ich habe das Gefühl, dass er das nicht nur sagt, weil auf den Malediven kein Land gekauft, sondern nur gepachtet werden kann. Unterstrichen wird dieses, als wir auf unserem Rundgang ein paar wilde Hühner sehen. „Diese waren schon da, bevor wir gekommen sind. Sie haben das längere Recht, also dürfen sie auch bleiben.“

Same procedure as every day

Die am ersten Tag ausgeborgte Schnorchelausrüstung bleibt die ganze Aufenthaltsdauer am Mann, jede freie Minute nütze ich, um mich in die beeindruckende Unterwasserwelt zu begeben, auf Spaziergänge in eine andere Dimension. Okay, die Massage ist ebenfalls so etwas wie Freizeit und Entspannung, vor allem, weil ich dieses Mal – gestützt durch die Erfahrung aus dem Robinson Club Maldives – die Behandlungsintensität von „medium“ auf „soft“ downgrade. Und ja, an der Sundowner-Bar bin ich auch zu finden. Wäre schade, die legere Stimmung und die kitschig-schönen Sonnenuntergänge zu verpassen.

Auch im Robinson Club Noonu stimmt das Timing (hier gehen die Uhren ebenfalls anders), alles passiert im richtigen Moment in einer herausragenden Qualität. Das Steak im Teppanyaki-Spezialitätenrestaurant ist eine Offenbarung. Der Sunset-Bootsausflug zum Fischen – ohne Rute, nur mit Schnur und Haken – eine interessante Erfahrung. Dabei halte ich es mit Adams Gedanken, dass die Fische ein längeres Recht haben, und bin froh, nur die Haken meiner Kollegen zu angeln. Hungrig müssen wir dennoch nicht ins Bett, denn ein exklusives BBQ am Strand beendet einen weiteren großartigen Tag – den letzten im Inselparadies.

Am sehr frühen Freitagmorgen wartet bereits das Wasserflugzeug auf uns. Auch meine Abreise erscheint mir etwas konstruiert, ich will ja noch gar nicht weg. Dieser Freitag ist nicht mein Freund.

Kompakt

Flug

Austrian fliegt in der Wintersaison jeden Donnerstag nonstop von Wien nach Malé. Ab dem 22. Dezember gibt es einen zusätzlichen Flug jeden Samstag. Buchbar sind drei verschiedene Klassen: Business Class, Premium Economy Class und Economy Class

Unterkunft

Robinson Club Maldives

  • Zimmer: 121 Villen in 5 Kategorien (von Gartenbungalows bis Overwater- Bungalows mit Privatpool und eigenem Wasserzugang)
  • Hinweise: Adults only, WLAN inklusive 
  • Essen und Trinken: zwei Restaurants, Hauptrestaurant inklusive, viele Getränke an den Bars und zu den Mahlzeiten inklusive
  • Transfer: ca. 1 Stunde und 40 Minuten (70 Minuten mit dem Flugzeug von Malé nach Kadhedhoo Island und 30 Minuten mit dem Speedboot von dort bis zum Club)

Robinson Club Noonu

  • Zimmer: 150, 11 zweigeschossige Wohnblöcke, 60 Overwater-Bungalows, 46 Strandvillen
  • Hinweis: kinderfreundliche Anlage, WLAN inklusive, Essen & Trinken: drei Restaurants; Hauptrestaurant inklusive, viele Getränke an den Bars und zu den Mahlzeiten inklusive
  • Transfer: ab/bis Male mit dem Wasserflugzeug ca. 45 Minuten oder mit einem Inlandsflug nach Ifuru ca. 35 Minuten und dann mit dem Schnellboot weitere 25 Minuten

Die Reise auf die Malediven erfolgte auf Einladung von TUI, Robinson und Austrian. Artikel erschienen im aktuellen reisetipps. Download hier: https://www.reisetipps.cc/aktuelle-ausgabe/2134/reisetipps-nr-21-herbst-winter-2018-19/