Quito, die zwei Millionen Einwohner zählende Hauptstadt Ecuadors, schlängelt sich wie ein träger Wurm 50km lang durch die Anden. In der Altstadt – seit 1979 Unesco-Weltkulturerbe – haben die Spanier ihre kolonialen Spuren hinterlassen. Ein Juwel ist die innen komplett vergoldete Kirche La Compañía de Jesús. Das moderne Quito zeigt sich in immergleichen Betonklötzen und stetig verstopften Straßen. Die Stadt am Äquator ist umgeben von grünen Bergen und schneebedeckten Vulkanen. Schnelle Bewegungen sind hier, auf 2.850m, nicht an der Tagesordnung. QuitoNicht, dass es nicht hektisch wäre: Busse bleiben mitten auf der Spur stehen, um Gäste ein- und aussteigen zu lassen, Frauen mit riesigen Lasten schleppen sich vorbei, Kinder verkaufen Süßigkeiten, streunende Hunde lungern am Straßenrand, ständiges Hupen füllt die abgasgeschwängerte Luft. Irgendwo werden Meerschweinchen gebraten. Hier mitzuhalten verlangt nach Kondition. Oder Coca-Tee. Ein altbewährtes Mittel gegen Höhenkoller, das am besten bei guter Aussicht und in Schwindel erregender Höhe schmeckt. Wie auf 4.100 Metern Höhe, am Vulkan Pichincha: Quito zu Füßen, perfekte Vulkankegel des Cotopaxi, Antisana oder Cayambe auf Augenhöhe. Dazu wolkenlos blauer Himmel – inmitten der Anden scheint die Spitze der Welt erreicht.

Iss die Ameise!

Washington und Estella mit zwei ihrer fünf KinderDas Dickicht der Welt eröffnet sich im bis zu 100 Jahre alten Dschungel bei Cotococha: Braungrüner, Blätterbedeckter Boden, wandernde Bäume, Potenz spendende Wurzeln und armdicke Lianen, deren halluzinogene Wirkung noch heute von den ecuadorianischen Schamanen genutzt wird. Dazwischen die grünen, fächerförmigen Blätter der Toquillapalme, Grundmaterial für den berühmten Panamahut, süße Kakaofrüchte und jede Menge Gewurrle. Riesige Conga-Ameisen – sehr giftig, geschäftige Termiten, rot-gelb-schwarz gefärbte Spinnen und elegante Taranteln kriechen durch den Regenwald. Eine kleine Ameisenart ist essbar und schmeckt nach Zitrone. Am Rande des Dschungels nahe des Río Napo leben Washington und Estella mit ihren fünf Kindern. Im Garten wachsen Bananenbäume und Ananas. Dazwischen scharren die Hühner. Zum Haus – ein wellblechüberdachter Raum mit drei Betten und einer Küche ohne Kühlschrank – gehören 13 Hektar Land. Washington baut Mais an. Die weite Welt kennt er: „Mein Bruder hat nach Zürich geheiratet“, sagt er auf Spanisch. Selbst bleibe er lieber im Dschungel. Er hat alles, was er braucht. Um die Familie zu versorgen, arbeitet er als Wächter in der nahen Lodge. Seine Frau Estella kümmert sich um den Haushalt und töpfert kleine Keramikschüsseln für Touristen. Wenn das Wasser des Flusses seinen Höchststand hat, wird Gold gewaschen. Für ein Gramm gibt es 18 USD. Ein guter Lohn für einen Tag Arbeit.

Der einsame George

GalapagosEr ist knapp 70 Jahre alt und trottet gemächlich durch das Gras. Ob der Grashalm wohl schmeckt? Der einsame George ist die weltweit einzige überlebende Landschildkröte seiner Art. Er lebt auf der Isla Santa Cruz, dem touristischen und wissenschaftlichen Zentrum der Galápagos Inseln. 1.000km vor der ecuadorianischen Küste, gemeinsam mit Albatrossen, Seelöwen und Hammerhaien. Meeresschildkröten, Landleguanen und Pelikanen. Pinguinen, Walen, Blaufußtölpel und Kormoranen. Um die Vielfalt auch nur im Ansatz zu erfassen, ist hier Inselhopping angesagt. Auf einer Yacht. Wanderschuhe, Gucker, Fotokamera, Badeanzug und Taucherausrüstung mit dabei. Auf der Isla San Cristobal zeigen sich Seelöwen am weißen Sandstrand Playa Ochoa und Elefantenschildkröten in der Bucht La Galapaguera. Die Isla Bartolomé eröffnet die Aussicht auf den bekannten Pinacle Rock und die Lavafelder der Isla Santiago, deren kaffeebrauner Strand Playa Espumilla, Schauplatz der neuesten Bademode ist. Während Albatrosse über der ältesten aller Inseln, Española, ihre Kreise ziehen, tummeln sich um die Isla Darwin Schwarzspitzen- und Walhaie, Muränen und tropische Fische. Spätestens jetzt zahlt sich die Taucherausrüstung aus.

Eine andere Welt

GuayaquilSchick und schnell. Das ist Guayaquil an der Pazifikküste. Heimat für fast drei Millionen Menschen. Wirtschaftliches Zentrum des Landes. Ausgangspunkt für Touren auf die Halbinsel Santa Elena und in den weiteren Norden. Hier gibt es bunte Bars und nächtelange Partys in Salinas, lange Wellen in Montañita für braungebrannte Surfer und weite Mangroven-, Trocken- und Feuchtwälder. Der Nationalpark Machalilla bei Puerto Lopez zieht sich bis zum einstigen Piratenversteck Isla de la Plata. Im Wasser turteln im Mai Buckelwale. An den nahen Stränden von Los Frailes tun es ihnen die Menschen gleich. Der verführerische und gleichwohl begehrte Panamahut Montecristi Superfino wird im nördlichen Montecristi von der Hutmacherfamilie von José Chávez Franco hergestellt. Das örtliche Museum erzählt die Geschichte des liberalen Revolutionärs Eloy Alfaro, während das Museo de Bahía in Bahía de Caráquez noch tiefer gräbt: bis zu 11.000 Jahre alte Exponate, damit die ältesten in Ecuador gefundenen geschichtlichen Zeugnisse, werden hier ausgestellt. (Maria Schoiswohl)

Ecuador-Wissen

Fläche: 256.370qkm

Hauptstadt: Quito

Einwohner: rund. 13,5 Mio.

Sprache: Spanisch, Kichwa

Geld: US Dollar

Landesvorwahl: +593

Religion: mehrheitlich katholisch (rd. 80%)

Flora & Fauna: Eines der artenreichsten Länder der Erde. Die Landschaft gliedert sich in Andenhochland, Pazifikküste, amazonischer Regenwald und die Inselwelt mit den Galápagos Inseln. Insgesamt sind hier über 20.000 Pflanzenarten zu finden. Die Tierwelt ist so vielfältig und einzigartig wie in kaum einem anderen Land – 130 Kolibriarten, knapp 800 Amphibien- und Reptilienarten sowie über 700 Fischarten in Binnengewässer leben etwa hier. Viele davon sind endemisch.

Klima: Das Klima variiert je nach Höhenlage und Tageszeit und ist deshalb sehr unberechenbar. An der Küste hat es das ganze Jahr über durchschnittliche 29°C mit Wassertemperaturen von 22°C, in den Anden hat es stetige 21°C.

Speis & Trank: Die Küche variiert mit der Landschaft. Im Andengebiet gibt es viel Schwein, Rind und Meerschweinchen (Cuy), eine Festtagsspezialität. Dazu Getreide, Kartoffeln, Bananen, Reis. An der Küste werden frischer Fisch und Meeresfrüchte serviert. Die Ceviches, Meeresfrüchtecocktails mit Limone, sind ein Nationalgericht. Typisch für Ecuador sind frische Fruchtsäfte, etwa aus Lulo-Früchten, oder Chicha, ein bierartiges Maisgetränk. Der Hochlandkaffee ist zudem zu empfehlen.

Ein-/Ausreise: Einreise mit Reisepass, der mind. sechs Monate nach Abreise noch gültig ist. Bei der Ausreise sind für das Exit-Visa rund 40 USD zu entrichten.