Diese folgenden zehn Erfahrungen – von Bayerisch-Schwaben bis nach Tokio – macht nur, wer sich den Wecker stellt.

Sonnenstunden für Mount Rushmore im Great American West

In den Black Hills im US-Bundesstaat South Dakota lohnt es sich gleich zweimal, den Wecker zu stellen. Der Name „Wildlife Loop“ im Custer-State-Park kommt nicht von ungefähr: Richtig aktiv sind die Wildtiere aber vor allem in der Dämmerung. Und so sichtet der „frühe Vogel“ auf der knapp 25km langen Strecke durch Grasland und Wälder Bisons, Pronghorn-Antilopen, Präriehunde, Kojoten oder stattliche Hirsche sowie Elche und majestätische Weißkopfseeadler.

Auch das perfekte Foto der Präsidentenantlitze am Mount Rushmore bedarf der passenden Uhrzeit: Am Morgen wenden sich die Gesichter des weltbekannten Memorials der Sonne zu, nachmittags liegen sie im Schatten.

Auf ein Frühstück mit Kängurus in Südaustralien

In das südaustralische Barossa Valley kommt für gewöhnlich, wer erstklassige Gastronomie und guten Wein schätzt. Weniger bekannt ist, dass die Gegend an einen Naturschutzpark grenzt, in dem es von einheimischer australischer Flora und Fauna nur so wimmelt. Das Hotel The Louise lädt zu einem einfachen, aber auch seltenen Erlebnis ein: einem gemeinsamen Frühstück mit den Kängurus.

Im Morgengrauen geht es mit einem Guide zu dem 20 Minuten entfernten Naturschutzpark. Ein 15-minütiger Spaziergang durch den Park führt zu einer Lichtung, auf der Känguru-Familien für gewöhnlich ihr Frühstück genießen. Die Teilnehmer selbst schlagen ihre Picknickdecke in nächster Nähe zu den Kängurus auf. Das Frühstück mit den Kängurus findet von Oktober bis Mai täglich nach vorheriger Anmeldung statt.

Zur Kreuzsegnung in Donauwörth in Bayerisch-Schwaben

Durch die Pilgerstadt Donauwörth in Bayerisch-Schwaben führen bereits seit dem 13. Jhd. Pilgerwege, die seit jeher von Gläubigen aus aller Welt erwandert werden. Auch die internationale Friedens- und Kulturroute „Jerusalemweg“ passiert seit 2021 als weltweit längster Pilgerweg die Stadt an der Donau. Einen besonderen Ort der Ehrfurcht und Ruhe finden Besucher in der Kloster- und Wallfahrtskirche Heilig Kreuz. An dem Gnadenort befinden sich neben dem Grab der Herzogin Maria von Brabant, die von Herzog Ludwig II. von Wittelsbach im Jahr 1256 auf seiner Burg unschuldig enthauptet wurde, bereits seit fast 1.000 Jahren Splitter des Kreuzes Jesu Christi. Jeden Freitag um 8 Uhr werden die Teilnehmer der Heiligen Messe, darunter auch viele Pilger, mit dem Kreuzpartikel gesegnet.

Mit der Natur erwachen in Pfronten im Allgäu

In Pfronten im Allgäu lohnt sich das Aufstehen mit dem ersten Wecker, denn vom Gipfelplateau des Hausbergs Breitenberg erleben Frühaufsteher auf 1.838m Höhe einen unvergesslichen Sonnenaufgang bei einem 360-Grad-Panoramaausblick in die Allgäuer und Tiroler Bergwelt. Auf der Ostlerhütte, die sich direkt auf dem Gipfel befindet, übernachten Gäste in den komfortablen Ostlersuiten, bevor sie am Morgen mit Gipfelglühen in alle Himmelsrichtungen geweckt werden.

In den Sommermonaten schlafen Abenteurer bei der „Nacht unter Sternen“ auf speziell angefertigten Holzplattformen inmitten der Natur, direkt unter freiem Himmel. In dicke Thermoschlafsäcke gekuschelt beobachten sie den spektakulären Übergang von Nacht zu Tag begleitet von Vogelgezwitscher und dem Röhren der Hirsche. Ein einmaliges Erlebnis, welches nur im Rahmen der buchbaren Übernachtung möglich ist, da Wildcampen und geplantes Biwakieren in Deutschland strengstens verboten ist.

Ein Rendezvous mit dem Kranich an Frankreichs Atlantikküste 

Mit einer Größe von 1,20m ist der Graukranich einer der größten Vögel Europas. Jedes Jahr, in der Zeit von November bis Februar, macht er im französischen Departement Les Landes in einem seiner Winterquartiere Halt: im Naturreservat Arjuzanx unweit der Strände der Atlantikküste.

Wer sich einer der frühmorgendlichen Touren mit einem Ornithologen anschließt, der hat eine gute Chance, den Kranich in freier Wildbahn zu beobachten. Treffpunkt ist bereits um 6.45 Uhr, denn dann bietet sich der perfekte Moment, dem Gesang der Kraniche zu lauschen und dem Schauspiel beizuwohnen, wenn sich Tausende der Vögel in die Luft erheben. Jeden Montag besteht zudem die Möglichkeit, im Rahmen eines Workshops aktiv bei der Zählung der Kraniche mitzuhelfen.

Auf Wanderschaft durch die Wüste AlUlas

AlUla im Nordwesten Saudi-Arabiens ist bekannt für die Felsengräber Hegras als UNESCO-Weltkulturerbe. Wer die einzigartige Landschaft, die sich stets verändernde Wüste, die markanten Sandsteinfelsen sowie die unzähligen Schluchten auf Schusters Rappen erleben will, muss früh aufstehen. Denn je jünger der Tag, desto angenehmer die Temperaturen.

Die geführte Halbtagestour des „Adventure Trails“ beginnt bereits um 6 Uhr morgens mit einer Fahrt in Richtung der Madakheel-Landschaft. Dort geht es zu Fuß durch unzählige Canyons, die willkommenen Schatten spenden, und entlang von uralten Felszeichnungen vergessener Stämme. Es sind wahre Zeugnisse der Menschheitsgeschichte. In AlUla begegnen Reisende in freier Natur, was andernorts nur hinter Glaswänden zu bewundern ist.

Ein Besuch des weltweit größten Fischmarkts in Tokio

Bekannt für seine Vielfalt und allmorgendlich stattfindenden Thunfischauktionen war der Tsukiji Fischmarkt mehr als 80 Jahre ein wichtiges Wahrzeichen Tokios. Seit einigen Jahren kommen die hochpreisigen Fische auf der 2km entfernten, künstlichen Insel Toyosu unter den Hammer. Wer dabei sein möchte, der muss immer noch früh aufstehen, denn die beliebten Auktionen finden morgens zwischen 5.30 Uhr und 6.30 Uhr statt. Besucher können die Auktion von einer eigenen Aussichtsplattform beobachten und erhalten so einen guten Einblick in das Marktgeschehen.

Zusätzlich wurde im Toyosu Fish Market noch eine weitere Auktionshalle für Meeresfrüchte eingerichtet, die die Frühaufsteher ebenfalls durch Fenster mitverfolgen können. Tickets sind über ein Online-Anmeldeformular erhältlich.

Sonnenaufgang auf dem Dach von La Palma

Ein gigantischer Vulkankessel liegt zu Füßen des „Roque de los Muchachos“. Schroffe Gesteinsformationen, tiefe Canyons, spitze Felsnadeln und dichte Kiefernwälder machen den Nationalpark Caldera de Taburiente im Herzen der „Isla Bonita“ so prägnant. Wer sich von den ersten Sonnenstrahlen des Tages das Gesicht wärmen möchte, der nimmt am frühen Morgen die kurvenreiche und teils steile Straße zum Roque de los Muchachos.

Bei dem mit 2.426m höchsten Gipfel der Kanareninsel handelt es sich um einen erloschenen Vulkanschlot. Vom Aussichtspunkt „Mirador del Roque de los Muchachos“ reicht die Sicht bei gutem Wetter gar bis zu den Nachbarinseln Teneriffa, La Gomera und El Hierro. Achtung: Die Straße zum Gipfel ist aufgrund des auf La Palma bestehenden Lichtschutzgesetzes erst ab 7 Uhr geöffnet.

Schwimmstunde für Pferde auf Barbados

Frühaufsteher erwartet auf Barbados ein besonderes Ritual: Die Trainer von der Pferderennbahn Garrison Savannah führen jede Woche ihre Pferde zum benachbarten Pebbles Beach, um mit ihnen ein frühmorgendliches Bad zu nehmen. Die Bewegung im Wasser soll die Muskeln der Tiere lockern, das gemeinsame Schwimmen die Verbindung zwischen Pferd und Trainer vertiefen.

Das harmonische Miteinander an einem der schönsten Strände von Barbados lockt Einheimische und Gäste gleichermaßen an. Allerdings gehört ein wenig Glück dazu, da es keinen bestimmten Zeitplan für die Schwimmeinheit gibt – die Chancen stehen direkt bei Sonnenaufgang, gegen 6 Uhr, sehr gut.

Überfahrt zu den Geechee in Georgia, USA

Wer sich in der Früh mit dem Boot vom kleinen Küstenort Meridien auf die Insel Sapelo begibt, der gelangt in eine andere Welt: die Heimat der Geechee. Die Geechee sind die direkten Nachfahren der westafrikanischen Sklaven, die im 18. Jahrhundert auf den ansässigen Reisplantagen arbeiteten. Nach dem Bürgerkrieg erwarben viele von ihnen Land auf der abgelegenen Insel. Bis heute konnten sie so ihre eigene Sprache und einzigartige Kultur bewahren.

Einen guten Einblick in die Geechee-Kultur vermittelt beispielsweise eine Tour mit dem Einheimischen JR Grovner, der den Teilnehmern die interessantesten Plätze der Insel zeigt. Dazu gehören der Behavior Cemetery, der alte Leuchtturm und der unberührte Sandstrand sowie eine vielfältige Tierwelt mit Hirschen, Alligatoren, wilden Truthähnen und verschiedenen Vogelarten. Im historischen Dorf Hog Hammock, das ca. 45 Einwohner zählt, erfahren Besucher beispielsweise, wie seit über 300 Jahren traditionelle, handgeflochtene Körbe aus Süßgras und Palmenblättern hergestellt werden.