Obwohl zeitlebens wenig erfolgreich zählt Modigliani zu den bedeutendsten Malern der Geschichte, dessen Gemälde heute dreistellige Millionenbeträge erzielen. Die Schau „Modigliani – Revolution des Primitivismus“ beinhaltet über 120 Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen des mythenumrankten Italieners. Sie führt in das Paris des frühen 20. Jahrhunderts, der Geburtsstätte der modernen Malerei. Seine Zeichnungen, Skulpturen und Gemälde werden hier gleichzeitig präsentiert, die Kunstgattungen nicht getrennt beleuchtet. Die Ausstellung geht auch über eine rein monografische Retrospektive hinaus, denn sie interessiert sich für Modiglianis Platz im brodelnden Kosmos der sogenannten „primitivistischen“ Einflüsse im Herzen der Pariser Kunstszene des frühen 20. Jahrhunderts.

Kunst zwischen Archaik und Avantgarde

Die Ausstellung zeigt, wie sehr Modigliani von afrikanischer Kunst, den 4.000 Jahre alten Skulpturen der Kykladen oder auch der Kunst der Khmer Kambodschas fasziniert war. So wie bei Picasso, Derain und Brancusi verschmolzen diese Einflüsse auch bei Modigliani mit seinen Skulpturen, Gemälden und Zeichnungen. Erstmals in Österreich zu sehen sind bedeutende Werke aus den renommiertesten Museen und Privatsammlungen der Welt aus drei Kontinenten, von den USA bis Singapur, von Großbritannien bis Russland. Die wichtigsten Beiträge steuern das Musée Picasso in Paris und die Sammlung von Jonas Netter bei, der zu ersten Sammlern Modiglianis, noch zu Lebzeiten, gehörte.

Die Albertina wirft mit der Ausstellung  ein neues Licht auf den Künstler: Aufgeklärt, inspiriert und umgeben von einem außergewöhnlichen Kreis talentierter MalerInnen und KünstlerInnen, leistete er einen unschätzbaren und ganz individuellen Beitrag zur Kunstgeschichte, indem es ihm gelang, zwischen Antike und Moderne ebenso wie zwischen den verschiedenen Künsten selbst eine Brücke zu schlagen. Kunst zwischen Archaik und Avantgarde Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen, für die der Große Krieg 1914 bis 1918 eine Zäsur darstellte, wurde Modiglianis Werk bis zu seinem Tod im Jahr 1920 von dieser Revolution geprägt. Dieser Blick auf Modiglianis Schaffen und seine Beziehung zu den anderen Künstlern nimmt Abstand von der dramatischen Geschichte, die häufig im Gedächtnis bleibt: die eines jungen Künstlers aus Livorno, der im Alter von elf Jahren an einer Rippenfellentzündung erkrankte, dann 1898 an Typhus und der sein ganzes Leben unter chronischer Tuberkulose litt - der Krankheit die ihn letztendlich 1920 im Alter von 35 Jahren dahinraffte. Seine junge Verlobte, Jeanne Hébuterne, Mutter der gemeinsamen Tochter Jeanne und zum zweiten Mal, im achten Monat, schwanger, folgte ihm zwei Tage später, indem sie sich das Leben nahm.

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Albertina, Albertinaplatz 1, 1010 Wien
Ausstellung bis 9. Jänner 2022
www.albertina.at