Mythos St. Tropez & Ikone BB

Die Reise steht ganz im Zeichen von Film und Kino: Wir starten in St. Tropez und treffen Michel Brussol, Direktor der Filmkommission: „Rund zweihundert Anfragen kommen pro Jahr, etwa achtzig Filme werden jährlich in und um St. Tropez gedreht, auch der österreichische Regisseur Michael Haneke war schon hier,“ lässt er uns wissen.

Berühmt wurde St. Tropez in den 1960er Jahren, der Film „Ewig lockt das Weib“ machte Brigitte Bardot zum Superstar. Ab 1964 startete die Serie „Der Gendarm von St. Tropez“, bis heute ein Kassenschlager der französischen Filmindustrie. An der Place Blanqui befindet sich die ursprünglich echte Gendarmerie, nunmehr ein Filmmuseum, am Platz davor eine kunstvolle Bronze-Figur der jungen Brigitte Bardot, der Ikone von St. Tropez.

Wir schlendern durch die pittoresken Gassen, in der Vorsaison wirkt St. Tropez weniger mondän, mehr gemütlich, aber: „Im Sommer ist hier fast kein Durchkommen, alles ist übervoll,“ sagt unser Begleiter. Rund um den kleinen Hafen zeigt Michel weitere Filmlocations: Der Nachtclub „Gaio“ als Drehort für „Ein Käfig voller Narren“, die rote Bar „Senequier“ und auch das traditionsreiche „Le Café“ an der zentralen Place des Lices, wo wir zum Lunch einkehren, dienen oft als Filmkulisse. Die Räume im Inneren sind über und über mit alten Filmplakaten dekoriert - Erinnerungen an Stars wie Louis de Funès, Fernandel und das damalige Sexidol Brigitte Bardot.

Die „Wiege“ des Kinofilms

Nächster Hotspot für Cineasten: La Ciotat. Die kleine Hafenstadt ist bei weitem nicht so mondän wie St. Tropez, besitzt aber mindestens ähnlich viel Charme. Nachdem der Schiffsbau nach Marseille abgewandert ist, hat man sich hier auf Instandhaltung von Yachten spezialisiert. „Über den Winter haben wir unter anderem die Abramovich-Yacht im Service gehabt“, verrät unsere örtliche Begleiterin Dominique. Also doch auch ein gewisser Promi-Faktor.

Und auch echte Stars sind immer wieder zu Gast in La Ciotat, nämlich, wenn im „Eden-Théatre“ Premièren oder Filmfestspiele stattfinden. Das „Eden“ wurde 1889 erbaut und gilt als das älteste Kino der Welt: Mit der weltweit ersten Filmvorführung im Sommer 1895 durch die Brüder Lumière schlug hier die Geburtsstunde des modernen Kinofilms. Dank der Initiative einiger engagierter Bürger wurde das „Eden“ renoviert und dient nun als Premièren-Kino, gezeigt werden auch Dokumentationen über den Erfindergeist der Lumière-Brüder.

Und noch eine Besonderheit hat La Ciotat: Der Ort liegt unmittelbar am Eingang zum Nationalpark der „Calanques“. Unsere Wanderung startet gleich hinter dem Hafen: Zerklüftete Kalksteinfelsen und kleine Buchten prägen diesen Küstenstrich. Aromatisch duftende Pinienwälder und Macchia mit goldgelben Ginsterbüschen erfreuen die Sinne. „Frühling ist die beste Zeit, im Sommer ist es zu heiß“, rät unsere Begleiterin.

Auf Spuren von Marcel Pagnol

Nur wenige Kilometer landeinwärts liegt Aubagne: Der historische Ort und die umgebende gleichnamige Hügellandschaft erscheinen wie aus einer anderen Zeit. Dieses charmante Retro-Ambiente ist durchaus gewollt und ganz im Sinne des berühmten Bürgers der kleinen Stadt - Aubagne ist der Geburtsort des Romanautors und Filmemachers Marcel Pagnol. Seine Erzählungen spielen durchwegs in dieser Region, mit treffenden Schilderungen des Lokalkolorits. Sehenswert ist „Le Petit Monde de Marcel Pagnol“, ein originelles Museum, wo die Romanfiguren und Filmszenen als Miniaturen dargestellt sind.

Allerdings noch weit sehenswerter ist, die wunderbare Hügellandschaft auf Spuren des Autors zu erkunden. Begleitet von Naturguide Alexandre folgen wir dem Marcel Pagnol Wanderweg. Auf Wunsch des Literaten soll hier nichts verändert werden, erklärt Alexandre, und so genießen wir die wunderbare Landschaft mit dem Duft von Thymian und Zistrosen. Hin und wieder deutet Alexandre auf ein Bauernhaus oder einen Platz, unveränderte Originalschauplätze der heimatverbundenen Erzählungen Marcel Pagnols.

In La Treille passieren wir sein ehemaliges Sommerhaus und erreichen bald danach das Château de la Buzine, titelgebend für seinen Roman „Das Schloss meiner Mutter“. Nunmehr im Besitz der Stadt Marseille wird das Schloss ganz im Sinne des Autors für Dokumentationen zum Thema Kinofilm genutzt: Herzstück der kinematografischen Präsentationen ist die permanente Ausstellung über die Geschichte der bewegten Bilder, vom Anbeginn bis zur Jetztzeit – ein Highlight für Cineasten!

KOMPAKT

Ankommen

Verbindungen (Stand 2019!): mit Austrian und Air France via Paris nach Marseille oder Toulon; Nonstop-Flüge Wien – Marseille mit Lauda 

Schön wohnen

Les Terrasses du Bailli, Rayol-Canadel-sur-Mer: schickes privat geführtes 3-Sterne Refugium in ruhiger Grünlage im Golf von St. Tropez, strandnah, www.hotel-terrasses-dubailli.com
Palais Pan Dei, St. Tropez: eleganter Palazzo im Zentrum, samt ruhigem Garten und Pool, stilvolles Ambiente, www.pandei.com
Hôtel du Vieux Port, La Ciotat: neu renoviertes Hotel in zentraler Bestlage am Alten Hafen, www.bestwestern-laciotat.com

Gut Essen

Maurin des Maures, Rayol-Canadel-sur-Mer: Das eher schlichte Exterieur täuscht – die Küche ist einfach großartig, Patron „Dédé“ Delmonte ein Original und mit dem Jet-Set per Du www.maurin-des-maures@wanadoo.fr

Le Café de St.Tropez: Geschichtsträchtiges, gemütliches Café-Restaurant (seit 1789), originell dekoriert mit alten Filmplakaten, provencalische Küche www.lecafe.fr

La Terrasse, La Ciotat: Modernes Lokal mit Weitblick über die Bucht, Ambiente chic & cool, hervorragende, kreative Küche www.restaurantlaterrasselaciotat.com

Frankreich-Informationen

Atout France: https://at.france.fr; Région Sud: www.provence-alpes-cotedazur.com

Autorin Martha Steszl hat auf Einladung von Atout France die Region Provence- Alpes-Côte d'Azur im Frühjahr 2019 bereist – die beste Jahreszeit, um die reizvolle Landschaft in voller Blüte zu erleben.

Der Artikel ist in "reisetipps", Ausgabe Nr. 23 erschienen.