Los geht’s im Big Apple

Bayonne. So lautet der Name des Hafens in New Jersey, wo die nagelneue, elegante Mein Schiff 6 auf mich wartet. Also nicht am Manhattan-Terminal am Hudson River. Somit dauert die Fahrt nach Downtown eine gute Stunde. Das große Plus dieser Landestelle aber ist eindeutig der famose Blick auf die Skyline des Big Apple. Die funkelnden Lichter der Hochhäuser, Sonnenaufgang oder –untergang über der Stadt – immer wieder schenkt mir die „City“ ein neues, schönes Bild, wenn ich auf den Balkon meiner Kabine trete.

Der erste Landausflug führt allerdings nach Brooklyn bzw. nach Williamsburg, neues Trendviertel von NYC. Ehemalige Industrie- und Fabrikgebäude wurden und werden zu coolen Hotels, Büros, Galerien, Ateliers und Wohnungen umgebaut. Restaurants und Shops, die eine oder andere Brauerei in den roten Backsteingebäuden oder Mural Art auf zuvor hässlichen Wänden deuten auf ein lebendiges, hippes Viertel, das sich noch ständig verändert – und immer teurer wird. Auch neue Wohnungen an der Waterfront des East River treiben die Gentrifizierung voran.

Am Abend startet das Schiff seine Motoren und macht sich auf Richtung Norden, nach Boston. Der Kapitän hat die Ehre, eine Runde im Hafen zu drehen. Kaum ein Passagier lässt die Gelegenheit verstreichen, ein Foto der Freiheitsstatue auf Ellies Island und von der Skyline im rosa-orangen Sonnenuntergang zu schießen. Was für ein magischer Anblick auch!

Zuhause an Bord

Es folgt eine stürmische Nacht und für manchen Kreuzfahrer ein anstrengender Seetag. Die Ausläufer von Hurrikan Maria machen sich deutlich bemerkbar. Wind, Regen und eine Dünung von bis zu vier Metern bescheren auch mir etwas weiche Knie und einen flauen Magen. Auf so einem großen Schiff spürst du eh nix vom Meer? Falsch gedacht.

Nichtsdestotrotz lassen wir uns über das Schiff führen, unterhalten uns mit dem General Manager Axel Sorger, testen weitere Restaurants, Bars und Lounges, von denen es insgesamt ja auch 26 gibt. (Zum Glück heißt es, essen und trinken hilft gegen Seekrankheit!) Während sich die einen im Fitnessbereich tummeln oder sich im Spa verwöhnen lassen, besuchen andere Vorträge, Workshops oder Shows im Studio und im Theater oder gehen shoppen an Bord. Die Plätze an Deck und rund um den Pool und auch die Laufstrecke sind heute „komischerweise“ frei… Es gibt, wenn man das will, immer etwas zu tun. Oder man verzieht sich in eine ruhige Ecke oder in die Kabine. Jeder wie er will. Zum Abendessen erwartet mich ein Highlight: Sushi und andere asiatische Köstlichkeiten im „Hanami – by Tim Raue“. Die See hat sich zum Glück beruhigt.

Und dann kommt Boston

Was für eine coole Stadt! Ein Mix aus Alt und Neu. Die kühlen Glasfassaden der Bürogebäude passen irgendwie gut zu den Backsteinhäusern mit verspielten Fassaden, Balkons und Eingängen und den Bäumen davor, besonders schmuck ist dabei das Wohnviertel Beacon Hill. Parks und Kirchen und der große Hafen – alles clean und chic und irgendwie europäisch. Boston ist die Hauptstadt des US-Bundesstaats Massachusetts, reiche Wirtschaftsmetropole und Stadt der Universitäten. Und die Stadt, in der Amerika seine Unabhängigkeit besiegelte.

Auf den Spuren der Geschichte folgen meine Reisekollegin und ich dem Freedom Trail, den Denkmäler, Kirchen, Friedhöfe, öffentliche Gebäude und Museen säumen; vom Boston Common Park quer durch Downtown bis zum Bunker Hill Monument in Charlestown führt der Weg. Am Faneuil Hall Marketplace verlocken Essstände und Cafés sowie Straßenkünstler zu einer gemütlichen Kaffeepause.

Statt Shopping und Hafenrundfahrt nehmen wir die U-Bahn nach Cambridge. Ja, ich war an der Harvard, behaupte ich ab sofort. Zumindest hab ich ein wenig Luft am ehrwürdigen Campus der Elite-Universität geschnuppert und die eifrigen Studenten im Park beobachtet. Vielleicht überträgt sich der Geist ja. You never know!

Lobster in Bar Harbor

Bar Harbor auf Mount Desert Island im Bundesstaat Maine: Bunte Holzhäuser, Restaurants, Souvenir- und Kunsthandwerksläden bilden mit den Schiffen und Yachten im Hafen ein adrettes Ensemble. Einst war der Ort beliebtes Sommerrefugium der reichen Familien aus Boston – wie Rockefeller oder Ford. Die Busrundfahrt in den Acadia Nationalpark gewährt einen Eindruck von der Schönheit dieser Region: Thunder Hole, eine Bucht mit Granitfelsen und –höhlen, an denen die Wellen Donner-ähnlichen Klang erzeugen. Jordan Pond, ein See, der vom Wald umgeben blitzblau leuchtet. Eagle Lake. Sand Beach. Und Cadillac Mountain, die mit 466 Metern höchste Erhebung der Ostküste nördlich von Rio de Janeiro, wie Guide Vincent gerne betont. Von hier oben bietet sich ein Rundumblick auf die Wälder, Seen, Fjorde, die Inseln und sogar auf unser Schiff.

Als Stärkung wartet eine Delikatesse – für die Bewohner der Ostküste alltägliches Essen – auf uns: Lobster. Fangfrischer, leuchtend roter Hummer am Teller, dazu Erdäpfel, Mais, ein paar Muscheln und viel flüssige Butter. Mit der Zange knacke ich den Körper und die Scheren auf und schäle das weiße, weiche, köstliche Fleisch heraus. Zum Abschluss ein Heidelbeertörtchen. Darf ich hierbleiben?

Willkommen in Saint John

Welcome! Das erste Wort, das ich auf kanadischem Boden höre – und das von einem Uniformierten der Immigrationsbehörde. Etwas erkältungsgeschwächt mache ich mich auf, die kleine Stadt Saint John in New Brunswick zu erkunden. Ein Teil meiner Reisegruppe genießt eine volle Natur-Dosis mit dem Rad im Rockwood Park. Der andere ist mit dem Boot in der Bay of Fundy auf Walentdeckungsreise und bekommt auch – so höre ich später – kleinere Exemplare zu Gesicht.

Ich spaziere vom Hafen in den historischen Stadtkern, der an diesem Sonntagvormittag wie ausgestorben wirkt. Langsam kommt Leben in die Gassen und Straßen mit viktorianischen Häusern aus rotem Backstein, bunten Holzhäusern, Kirchen und kleinen Parks. Der Old City Market ist sonntags geschlossen, aber am Queen Square findet ein kleiner Markt statt, wo die Einwohner der Stadt Essen und Produkte aus der Region verkaufen bzw. konsumieren.

Eine Attraktion in Saint John sind die Reversing Falls Rapids: Zweimal am Tag lässt die Flut den Wasserspiegel in der Bay ansteigen. Das hereindrängende Meerwasser zwingt dabei den Saint John River, rückwärts ins Land hineinzufließen. In einem Souvenirshop kaufe ich einen „Canada150“ Hoodie und ein Fläschchen Ahornsirup. Muss sein.

Peggy’s Cove

Nach einem weiteren beschaulichen Seetag mit Erkundung des Schiffes, gutem Essen, herrlichen Sonnenauf- und -untergängen folgt der zweite Stopp in Kanada. Zu dritt leisten wir uns ein Taxi nach Peggy’s Cove, eine Stunde südlich von Halifax. Taxifahrer Raza bringt uns nicht nur an die gewünschte Destination, sondern macht mit uns auch Fotostopps. Er mag die Gegend und uns gefällt sie auch: Kanada pur. Herbstlich verfärbte Laubbäume, Nadelbäume, Seen auf der einen Seite der Straße, ebenso blitzblau leuchtend die Meeresbuchten auf der anderen Seite, Holzhäuser, Fischerboote, glatt graue oder grün bewachsene Granitfelsen.

Das Fischerdorf Peggy’s Cove am Nordatlantik hält, was die Tourismuswerbung verspricht: Hier steht einer der meistfotografierten Leuchttürme der Ostküste, knallig weiß-rot, auf von Wind und Wasser zugeschliffenen, fast weißen Granitfelsen und -klippen, die sich wie ein Teppich die Küste entlang ausbreiten. Während Hunderte Besucher über die Steine wandern und hüpfen, leben im Ort, der aus ein paar farbenprächtigen Häusern, Souvenirshops, Restaurants (Lobster natürlich!) und Kirche besteht, nur wenige Leute.

Back to New York 

NYC, again. Noch einmal ist Gelegenheit, interessante Orte in der pulsierenden Stadt aufzuspüren. Zum zweiten Mal in meinem Leben fahre ich auf das Empire State Building, und der Ausblick ist wie schon beim ersten Mal berauschend. Danach lassen wir uns treiben und spazieren durch den High Line Park, weiter in den Süden durch Greenwich Village. Wir fahren zum mit 541,3 Metern ohnedies von überall deutlich sichtbaren One World Trade Center in Lower Manhattan, der an der Stelle des am 11. September 2001 zerstörten World Trade Centers errichtet wurde. Und wir besuchen das 09/11 Memorial und Museum, das in Gedenken an die 3.000 Opfer der Terroranschläge gebaut wurde. Die eingravierten Namen der Opfer in den „Reflecting Pools“, die Geschichten und Erinnerungsstücke im Museum machen nachdenklich, traurig, schockieren.

Am Weg zurück zum Schiff nutzen wir den Umsteigebahnhof auf der New Jersey Seite (Exchange Place Station) für einen beschaulichen Zwischenstopp, setzen uns auf eine Bank am East River, beobachten, wie die Lichter von Manhattan angehen, funkeln, bunt das Empire State Building in der Ferne, sehen zu, wie Fähren und Boote kreuzen. Zurück am Schiff nochmals eine andere Perspektive – begleitet von einem Gläschen Champagner. Was für ein schöner Abschluss dieser Seereise!

KOMPAKT

Mein Schiff 6

  • Kapazität 2.534 Passagiere 
  • 13 Restaurants & Bistros, 13 Bars & Lounges 
  • 17.895m2 Außendecks, 1.800m2 Spa- und Fitnessbereiche, Shops, Theater und Studio 
  • Konzept: Premium Alles Inklusive. Die meisten Speisen und eine große Auswahl an Getränken in den Bars und Lounges sind inbegriffen (Ausnahmen z. B. die Spezialitätenrestaurants). Ebenfalls inklusive sind zahlreiche Sportangebote, Nutzung des Wellnessbereichs, Entertainment, Kinderbetreuung und Trinkgelder. 
  • Zahlreiche Landausflüge mit verschiedenen Schwerpunkten zubuchbar.

USA/Kanada mit der Mein Schiff 6

  • Ende August 2018: Transatlantikfahrt von Mallorca bis New York 
  • September und Oktober 2018: New York mit Kanada 
  • November: New York mit Bahamas, Dom. Republik oder Jamaika

Preisbeispiele:

  • Innenkabine: 1.678 EUR, 2.678 EUR mit Flug (p. P. / 2er-Belegung) 
  • Balkonkabine: 1.978 EUR (ohne Flug, p.P. / 2er-Belegung) 
  • Familienkabine Außen: 2.458 EUR (p.P. / 2er-Belegung, Kinder von 2 – 14 im Zusatzbett ab Sommersaison 2018 Basispreis von 40 bis 210 EUR) 
  • Junior Suite: 2.888 EUR (p. P. / 2er-Belegung)

Mehr Infos: www.tuicruises.com

New York City Pass

Um 122 USD für Erwachsene und 86 USD für Kinder (6 bis 17) erhält man freien Eintritt zu sechs von neun Attraktionen, z. B. Empire State Building Experience, 9/11 Memorial & Museum, Statue of Liberty and Ellis Island und Guggenheim Museum. Die Besitzer des Passes haben außerdem Express-Zugang. Der Kauf erfolgt online oder an einer der inkludierten Attraktionen. www.citypass.com

Einreise

  • USA: Reisepass (mind. 6 Monate nach Reiseende gültig) und ESTA-Registrierung im Rahmen des Visa Waiver Programmes unter https://esta.cbp.dhs.gov 
  • Kanada: Reisepass (mind. gültig bei Ausreise + 1 Tag)